
Umgang mit unterschiedlichem Gefühlsumgang in der Ehe
Ehepaare sind extrem unterschiedlich in ihrer Gefühlsregulation. Manche hauen alle Gefühle fast „unverschämt“ heraus und belasten so ihre Beziehung und andere meiden Gefühlsausdrücke extrem und versuchen ein Pokerface aufzusetzen. Dahinter aber gärt es und brodelt es und man sinnt auf „Rache“. Beide Arten – weder Fakir noch Gefühlsbombe – entsprechen nicht dem was man von einem erwachsenen Menschen erwartet. Kinder drücken die Tränentaste – Erwachsene gehen erwachsen mit dem um was von außen ihnen begegnet dann innerlich weise um – ohne den Ofen siebenmal heißer zu heizen als sonstT Sie sind Friedensstifter – für ihre eigene Seele und die des Partners und sogar in der ganzen beruflichen Welt.
Es ist ein Mythos zu glauben der Mensch sei rein vernunftgesteuert. Wir brauchen wohl diese Wunschvorstellung wegen unserer Selbstachtung. Wer will schon zugeben dass er wichtige Entscheidungen aus einer Gefühlslaune heraus entschieden zu hat. Ausgenommen unsere ehemalige Bundeskanzlerin Merkel die Anbetracht der Flüchtlingsströme aus aller Welt mit ihren Worten: „Wir schaffen das“ nun danach durchaus zugibt, dass sie so ein Gefühl im Bauch hatte. Klar, sie konnte auch nicht schnell nachrechen, was dieser Satz die Bundesrepublik Deutschland langfristig kosten würde. Es besteht in vielen Fällen einfach in der erforderlichen Kürze keine Faktenlage, man muss spontan entscheiden und hoffen, das „ es gut geht“.
Gefühlsmäßig Entscheidungen werden natürlich Sekunden nach der Entscheidung rationalisiert. …. und es finden sich schnell viel Gründe, warum man … nicht gekommen ist, kein Interesse hatte, dahin gegangen, man sich so entscheiden hat. Im Nachhinein sagt man schnell, um sich und die anderen zu beruhigen, es wär doch nach „Betrachtung aller Faktoren“ die einzig vernünftige Entscheidung gewesen, weiß aber durchaus, dass emotionale Gründe „begleitend“ am Werk waren. Richtig frei ist man aber erst, wenn man den durchaus hohen Gefühlanteil an der Entscheidung wertschätzt und gemeinsam mit dem Verstand die Entscheidung innerlich eine Weile „verhandelt“, um beide „deckungsgleich“ zu bringen.
Gefühle entstehen wenn beobachtete oder an uns herangetragene Tatsachen auf unser Wertesystem treffen. Wir können sozusagen „nicht nicht werten“, weil unser enger Verstand alles, was uns begegnet einordnen will. Das eigene Wertestem ist uns heilig, wir wollen uns nicht „andauernd“ in Frage stell3n lassen, damit nicht ständig „alles“ durcheinander kommt. Das ist Selbsterhaltung pur. Alles was zu neu, zu unglaublich, zu fremd, zu „komisch“ ist, muss so am Filter unserer Erfahrungen vorbei, damit wir uns nicht beunruhigen. Wer will schon aus seiner Bahn geworfen werden. Wir entscheiden blitzschnell – das ist: sympathisch oder unsympathisch, fremd oder bekannt, gut oder böse, schwach und unbedeutend oder für mich gefährlich.
Alle Welt unterliegt diesem Polarisieren … es darf nichts dazwischen geben. Obwohl alle Weltreligionen das „Nichtwerten“ betonen und das als Beweis unseres Gottvertrauens, der Gelassenheit und dem Wunsch über den Dinge zu stehen sehen, muss dies mühsam erlernt werden und verschafft der Seele durchaus tiefe Freiheit und Glück. Wer alles pingelig bewerten muss, kommt aus dem Bewerten gar nicht heraus und igelt sich in seinem unverrückbaren Wertesystem zu sehr ein. Er ist eng, „ halsstarrig“, stur und nicht mehr offen für Neues.
Vieles, was wir als Baugefühl bezeichnen, ist aber gar nicht im Bauch- es ist im Kopf. Über ein Brett das am Boden liegt geht man unbesorgt hinüber. Liegt das Brett auf mehreren Metern Höhe will man keinen Fuß drauf setzen und einfach loslaufen. Die Vorstellung oder Erfahrung sagt, man könne ja Hinterstürzen. Mir geht das so auf einem Baugerüst, insbesondere nach einer gewissen Wochenpause .. die ersten paar Schritte geht man dann zuerst wie auf rohen Eiern, nach einer halben Stunde spaziert man unbesorgt darüber, als sei es die „Königstraße“.
Das Gegenteil von Angst ist Zuversicht, Glauben, Unbesorgtheit – nicht etwas Mut oder Tollkühnheit. Mutige Menschen waren einmal sehr ängstliche Menschen, sie haben aber die Angst vor dem Tod überwunden. Tatsächlich muss man die Angst zu Ende denken, nicht zuende fühlen, da würden man verzweifeln. Was wäre rein national das Schlimmste, was passieren könnte? Ist man in seinen Vorstellungen dann nach einigen Zwischenständen dabei zuzugeben, ich könnet daran sterben, ist die Angst beseitigt. Sie war gar nicht im Bauch, man konnte sie „wegdenken“!
Oft unterliegen wir dem Irrglauben, Gefühle würden von außen“hervorgerufen:
„Du hast mich geärgert“ – nein – ich habe mich aufgeregt
„Du machst mich fertig“ -nein meine eigenen Gedanken machen mich fertig
„Du machst mich traurig“- nein, ich habe traurige Gedanken gepflegt“
„Du machst mich glücklich“ – nein ich stelle mir glücksbringeden Gefühle vor.
„Du nervst“ – nein ich messe dein verhalten und sie treffen mein Wertestem.
Hier greift die 100% Verantwortungsübernahmen für meine Gefühle. Die anderen sind nur Auslöser, nicht Verursacher. Dies positiv zu betrachten bringt erhebliche Entlastung in meinen Gefühlsapparat. Ich muss nun nicht mehr Schuldige für meine Gefühle suchen, sondern schaue bei mir nach, was mein Wertesystem in diesem Begegnungsmoment verletzt hat. ich bin dankbar für alle „Anregungen“ von außen, weil es eine Chance für mich bedeutet, herauszufinden, was meine Werte und meine Schwachstellen sind. Nun kann ich „sauer auch mich selbst sein“, warum ich immer noch nivht was dagegen unternommen habe und mir das immer wieder bieten lasse, ohne dem anderen Grenzen zu setzen.
In diesem Seminare lernen Paare gut mit ihren Gefühlen selbst umzugehen und zu angemessenen sozialverträglichen Gefühlsäußerungen zu kommen, sodass deutlich weniger Verletzung in der Ehe entsteht.